Genom. Zuchtwert nicht berechnet

Warum wird bei manchen Tieren kein genomisch optimierter Zuchtwert (goZW) berechnet?

Zwei Arten von Genotypenkonflikten können die Berechnung des Genomischen Zuchtwertes beeinflussen

Im Zuge der Datenaufbereitung zur genomischen ZWS werden die Abstammungen sämtlicher untersuchter Tiere laut RDV-Datenbank mit den Verwandtschafts- Beziehungen, die wir auf Basis der SNP-Marker berechnen, verglichen. Treten hier Unterschiede auf, die nicht mit den Vererbungsgesetzen in Einklang zu bringen sind, wird ein sogenannter Genotypenkonflikt festgestellt.

 

Genotypenkonflikt mit Vater
Bei Genotypenkonflikten eines Tieres zu seinem Vater wird das Tier vom Verfahren der genomischen Zuchtwertschätzung ausgeschlossen, da hier Unsicherheit über die Identität des Tieres selbst besteht. Die Ursache kann eine Verwechslung bei der Probennahme, ein Fehler in einem der nachgelagerten Arbeitsschritte im Labor bzw. ein Fehler in der Abstammungssicherung sein.

 

Weniger schwerwiegende Genotypenkonflikt
Bei weniger schwerwiegenden Genotypenkonflikten, etwa zum mütterlichen Großvater, wird das Tier in der Schätzung belassen und bekommt damit einen Schätzwert für den genomisch direkten Zuchtwert (gdZW). Da derzeit ausschließlich Stiere in der genomischen ZWS erfasst werden, finden insbesondere Leistungen von Müttern dieser Stiere derzeit keine direkte Berücksichtigung in der Schätzung von gdZW. Daher werden in einem nachgelagerten Verfahren über statistisch abgeleitete Gewichtungsfaktoren gdZW mit konventionellen Ahnenindices (vorgeschätzten Zuchtwerten) kombiniert. Diese Zuchtwerte werden als genomisch optimierte Zuchtwerte (goZW) bezeichnet. Da, wie in diesem Beispiel, die mütterliche Abstammung jedoch unklar ist, wird kein goZW berechnet. Zukünftig werden ausschließlich goZW- jedoch keine gdZW-Schätzwerte veröffentlicht. Daher bekommt solch ein Konflikttier auch keinen genomischen Zuchtwert, der für die Vermarktung genutzt werden könnte. Es liegt also im Interesse des Auftraggebers, festgestellte Genotypenkonflikte so schnell wie möglich aufzuklären. Die ZuchtData arbeitet derzeit daran, Vorschlagslisten zu erstellen, z.B. bei Konflikten zu mütterlichen Großvätern, die das Auffinden der tatsächlichen Väter der fraglichen Stiermütter erleichtern sollen.
Da Abstammungsanalysen auf Basis von SNP-Chips derzeit noch nicht gesetzlich anerkannt sind, muss vor allfälligen Änderungen im Herdbuch eine herkömmliche Abstammungsuntersuchung durchgeführt werden.

 

Autor: Dr. Hermann Schwarzenbacher, ZuchtData Wien